Predigten und Andachten

von | Apr 6, 2020

Gedanken  zum Osterfest 2020

von Pfarrer Dietmar F. Schuh

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 1Kor 15,42

Frühling. Endlich! Die Welt streckt sich zum Leben. Köpfe richten sich auf und suchen das kondensstreifen-freie Blau am Himmel. Die Tage werden länger. Die Halme auch. Um uns herum fängt es an zu blühen. Unser Club-Nistkasten ist von einem Kohlmeisenpäärchen bewohnt. Leider hat es in einer Frostnacht unseren Magnolienbaum erwischt – dennoch und auch trotz Corona – es ist Frühling und die Welt sehnt sich nach Leben, oder ganz bescheiden geworden, nur noch nach Normalität.
Aber was ist schon normal in diesen Zeiten?
Ein Trauer-grüppchen (höchstens 15 Personnen sind erlaubt) sieht am Friedhof in ein frisch ausgehobenes Grab. Schwarz, schweigend stumm, ohne Gesang, dieses Häuflein im bunten Frühlingswirbel. Martin Luther übersetzt den schwarzen Fleck im hellen Bild aus einem alten Choral:
Mitten wir im Leben von dem Tod umfangen sind.

In diesem Tagen bekommen viele eine traurige Antwort auf die Frage: Wie das zusammengeht: Leben und Tod? Jeder und jede für sich erlebt seinen eigenen, kleinen Tod, wenn alles um einen herum stillsteht, mitstirbt, wenn die Welt sich nicht mehr so dreht, wie sonst.
Die Natur sagt uns, unser christlicher Glaube sagt uns, dass etwas weitergeht. Ostern bringt mitten im Frühjahr die Botschaft der Auferstehung im Hier und Jetzt. Und im Danach.
Martin Luther fährt dann auch in seinem Choral weiter: Ei, mitten in dem Tod will ich das Leben finden. Er bringt zusammen, was wir gerne trennen möchten. Diese Tage lehren uns indessen, dass wir es nicht können. Diese vorösterlichen Tage lehren uns etwas ganz Entscheidendes und Wichtiges, aus dem wir hoffentlich lernen und nicht mehr so weitermachen wie bisher: immer mehr, auch mehr haben wollen, immer weiter, immer höher die Renditen. Wenn wir mit Gottes Hilfe hindurch sind, dann haben wir hoffentlich aus dieser schweren Zeit gelernt: Hier das Leben, dort der Tod? Das funktioniert nicht. Und es funktioniert auch nicht den Tod abschieben zu wollen in besonders abgeschirmte Bereiche.

Unsere Bibel, unser Glaube nimmt uns an der Hand und führt uns spazieren durch das Leben. Zeigt uns die Jahreszeiten. Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Hört aber nicht mit dem Winter auf, fügt immer noch den Frühling dazu. Lässt so den Tod im Leben und das Leben in den Tod. Bringt zusammen, was zusammengehört. Liest uns aus dem Leben vor, aber eben nicht von vorne nach hinten, sondern am liebsten von unten nach oben und endet im Frühling

Tod und Leben gehören zusammen wie Winter und Frühling, wie Jesus Christus und die Auferstehung, wie unser Leben hier und die Geborgenheit bei Gott. So sind wir im Leben und im Tod vom Leben umfangen. Von vorne nach hinten ist verwesliches Säen, von oben nach unten und unten nach oben ist unverwesliches  Auferstehen.

Oder wie in dem folgenden Gedicht: 

Leben heißt auferstehen
Nein, die Wahrheit ist
Dass das Leben nur Arbeit und Mühe und vergänglich ist
Ich glaube nicht Dass ich in diesem Leben zur Ruhe kommen kann
Dass ich den Weg nach innen finde
Dass ich mich ausrichten kann, auf das, was kommt
Es ist doch so
Dass die Zeit rast
Ich weigere mich zu glauben
Dass etwas Größeres in meine Welt hineinscheint
Dass ich mit anderen Augen sehen kann
Es ist doch ganz klar
Dass das Leben endet
Ich kann unmöglich glauben
Nichts wird sich verändern
Es wäre gelogen, ich würde sagen
Christus ist auferstanden!

Und nun lies den Text von unten nach oben! ext hier!

 

2 Kor 5,19-21;

Gedanken zum KARFREITAG 2020

von Pfarrer Dietmar F. Schuh 

Ein Kreuz ward aufgerichtet im, letzten Jahr, errichtet von hauptsächlich jungen Menschen in meiner Heimatstadt mitten im Pegnitzgrund. Es war eine etwas andere Versammlung als sonst die von „Fridays für Future“. Eine Jugendliche hielt darunter eine Ansprache. Sie sagte Jesus, der da hing, wurde von den Verantwortlichen, von denen, die das Sagen hatten damals. abgelehnt!  Und wieder ein anderer drauf:

Den kenn mer net braung, der bringt alles durcheinander, der mou wech!
Dann meldetet sich wieder die junge Frau zu Wort: Für mich ist das  Kreuz ein Symbol der Ablehnung, für NEIN – für das, was zum Leben NEIN sagt.  So fuhr die junge Aktivistin ihre Rede damals weiter fort, noch weit weg von der Pandemie, die uns heute plagt.

Dass sie dieses NEIN mit der Klimakatastrophe in Zusammenhang brachte, lag nahe. Das war ihre ganz persönliche Meinung. Wir müssen nicht so denken wie diese junge Frau. Ganz gewiss hätte ich diesen Event im Pegnitzgrund nicht als Einstieg gewählt, wenn nicht schon Paulus in seinem Wort an die Korinther die Frage nach dem aktuellen Bezug zum Kreuz auf  Golgatha gestellt hätte.

Und ich hätte diesen Predigtanfang auch nicht so gewählt, wenn das zentrale Wort Versöhnung keine Rolle gespielt hätte; wenn die Jugendlichen unter jenem Holzkreuz in Nürnberg nur beim Klagen und Anklagen geblieben wären. Dann hätte das dann wirklich nicht viel zu tun mit dem Sinn von Karfreitag.

Nach jener Aktivistin sprach nämlich noch einmal ein junger Mann:

Wenn das Kreuz nur ein NEIN wäre, so dieser junge Mann, hätten wir heute ein Zeichen der Hoffnungslosigkeit errichtet. Aber das ist es nicht. Ich sehe Hoffnung. Ich schöpfe Hoffnung aus der Art und Weise; wie jener Mensch, den sie da drangenagelt haben umgegangen ist mit diesem furchtbaren NEIN seiner Mitmenschen. Für mich steckt besonders zwischen den Zeilen seiner abschließenden Rede das drin, was auch für mich ein ganz wesentlicher Punkt ist in Bezug auf den Kreuzestod Christi für uns:

Hoffnung gewinnen wir durch den Gekreuzigten Gottessohn. Kraft  spüren wir im Blick auf das Zeichen, das so gar nicht für Hoffnung steht, dem Kreuz und Golgatha.

Es ist nicht der Ort der Niederlage Gottes, sondern gerade anders: Golgatha ist der Ort, wo für mich ein wunderbarer Wandel passiert ist: Gott nimmt dort alles Böse auf sich und überlässt damit alles Gute dieser Welt und uns, seinen geliebten Kindern. Golgatha ist der Ort wo Versöhnung geboren wird. Und von daher kommt auch diese Kraft: Gegen das Böse aufstehen zu können, nicht in Lethargie zu verfallen, nicht im Trott der Gleichgültigen mit zu marschieren mit ihrem Lieblingsmotto: Da kann man eh nichts machen, sondern mit Gottes Hilfe das Gute und Richtige, versöhnt, zu denken und zu tun.

„Versöhnt“, angenommen als Gottes geliebte Söhne und Töchter wird es uns gelingen und wenn die Welt voll Teufel wär..

Aufstehen und anbeten gegen allen Egoismus, den wir in diesen Tagen auch als Ursache für jene Unbesonnenheit und Disziplinlosigkeit erleben, die sich in Raffgier an den Supermarktregalen, oder auf dem Rollfeld in China in Mafiamethoden zeigt, um an Masken und Schutzkleidung zu kommen. Zu diesen Neins, die nicht dem Leben dienen, zähle ich auch   alle Aufgeregtheiten, die von Verschwörungstheoretikern wie Gift versprüht werden. All die Dinge und menschlichen Auswüchse eben, die uns in diesen Tagen der Krise nichts, aber auch gar nichts nützen, sondern nur schaden können und nicht, wie es das Leitmotiv der Frohen Botschaft Jesu ist, dem Leben dienen.

All dies Dunkle, das leider Gottes auch diese Krise in Menschen wachgerufen hat, kann aber nicht zugedeckt werden von der Leuchtkraft der Versöhnung. An Karfreitag, obwohl er unter einem ganz dunklen Vorzeichen steht, dem Tod eines Menschen, leuchtet ganz hell Versöhnung auf.

Für uns hat Jesus alles durchgemacht, was Menschen durchmachen können. Für uns und mit uns ist er diese Schicksalsgemeinschaft eingegangen als einer von uns. Gott war in Christus das meint Schicksalsgemeinschaft und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu. Lasst euch versöhnen mit Gott!

Gott wechselt mit uns die Plätze. Er tritt an unsere Stelle. Gott tauscht seine Ewigkeit mit unserer Sterblichkeit und was uns im Leben nicht gelingt, was falsch läuft, tauscht er mit seiner Gerechtigkeit.

Und was bringt das schließlich, wenn Gott das tut, wenn er das Schicksal mit uns teilt?

Alles bringt uns das!  Es hebt die Einsamkeit von Schuld, Leiden und Tod auf. Er nimmt uns an die Hand, er ruft uns zu:

Dich mogi, dich brauchi!

Das ist wie ein Bremsklotz, der gelöst wird, damit ein Rad wieder laufen kann, wenn einer so warm und liebevoll zu uns spricht; dann kommt das Leben wieder in Gang. Und es wird wieder in Gang kommen. Wir werden wieder Gottesdienste zusammen, Seit an Seit, feiern, eure Langeweile wird ein Ende haben und es werden wieder die Schulen öffnen und Großeltern werden wieder ihre Enkel besuchen können und Mittelständler werden keine Angst mehr um ihre Existenz haben müssen. Amen

 

 

 

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